STREAM me if you can

Do Androids Dream of Electric Sheep? fragte 1968  Philip K. Dick seinen dystopischen Roman , besser bekannt als Buchvorlage für Ridley Scotts dystopischen Klassiker Blade Runner ( 1982), eine Film noir-Variante von von George Orwells 1984.

Die Talk-Sektion des »Stream«-Festival Linz dagegen fragt: »DO SYNTHESIZERS DREAM OF SPOTIFY Es werden also technische Musikmaschinen adressiert und nach ihren Klang-Träumen befragt: Ein akustischer Turing-Tests im digitalen Zeitalter sozialer Medien…

 

Mir bietet die Sektion ›TALK‹ Gelegenheit, mein DLF-Feature DEA EX MACHINA in eine Sound-Lecture umzuwandeln. In Text und O-Tönen, Videos, Bildern und natürlich Musik ist das Ergebnis eine audiovisuelle Vision von der technofeministischen Emanzipation in der Musik: von Hedy Lamarr, über die ›topless cellist‹ und Laurie Anderson bis zu Julia Mihály.

Musik- als Medienwissenschaft

Lange verharrte die Musikwissenschaft in ihrer Konzentration auf Werk und Schöpfer von ›schöner‹ Kunstmusik. Doch zeichnet sich seit einiger Zeit ein Wandel und die Öffnung der Disziplin ab: medienkulturwissenschaftliche Theorien werden zu einer starken Stimme im musikwissenschaftlichen Chor und erweitern die autonomieästhetisch geprägten Standards des traditionellen Kernfaches. – Das zeigt etwa die aktuelle Ringvorlesung ›Aktuelle Perspektiven zur KLANGFORSCHUNG‹ an der TU Dresden, wo ich am 5. Dezember die Ehre habe, eine Sektion zu gestalten.

 

In meiner Vorlesung widme ich mich der »Musikalisierung von Störgeräuschen«, wie: NOISE – INTERFERENZEN – INTERPOLATIONEN , um mich exemplarisch an einem interdisziplinären Gedankenexperiment zu versuchen: einemal die ›Musik- als Medienwissenschaft‹ respektive die ›Medien- als Musikwissenschaft‹ zu betrachten, denn:

Was anderes, als ein Medium, ist die Musik?

Seit einigen Jahren bewegen sich die Sound Studies an den Rändern der Disziplinen formiert, um statt eines engen Musikbegriffs die Erforschung auditiver Kulturen fokussieren. Nach Jahren der mehr oder weniger friedlichen Koexistenz scheint es an der Zeit, kooperative Brücken in der ›Klang(kunst)forschung‹ zu bauen: Die Musikwissenschaften können medientheoretische Expertise gut gebrauchen und auch die Sound Studies nicht ohne die musikalische Expertise auskommen.