Musik- als Medienwissenschaft

Lange verharrte die Musikwissenschaft in ihrer Konzentration auf Werk und Schöpfer von ›schöner‹ Kunstmusik. Doch zeichnet sich seit einiger Zeit ein Wandel und die Öffnung der Disziplin ab: medienkulturwissenschaftliche Theorien werden zu einer starken Stimme im musikwissenschaftlichen Chor und erweitern die autonomieästhetisch geprägten Standards des traditionellen Kernfaches. – Das zeigt etwa die aktuelle Ringvorlesung ›Aktuelle Perspektiven zur KLANGFORSCHUNG‹ an der TU Dresden, wo ich am 5. Dezember die Ehre habe, eine Sektion zu gestalten.

 

In meiner Vorlesung widme ich mich der »Musikalisierung von Störgeräuschen«, wie: NOISE – INTERFERENZEN – INTERPOLATIONEN , um mich exemplarisch an einem interdisziplinären Gedankenexperiment zu versuchen: einemal die ›Musik- als Medienwissenschaft‹ respektive die ›Medien- als Musikwissenschaft‹ zu betrachten, denn:

Was anderes, als ein Medium, ist die Musik?

Seit einigen Jahren bewegen sich die Sound Studies an den Rändern der Disziplinen formiert, um statt eines engen Musikbegriffs die Erforschung auditiver Kulturen fokussieren. Nach Jahren der mehr oder weniger friedlichen Koexistenz scheint es an der Zeit, kooperative Brücken in der ›Klang(kunst)forschung‹ zu bauen: Die Musikwissenschaften können medientheoretische Expertise gut gebrauchen und auch die Sound Studies nicht ohne die musikalische Expertise auskommen.

 

NEW ORDER

Liest man NEW ORDER, denkt man auf meiner Website wahrscheinlich an die gleichnamige Band – deren postpunkig bis elektronische  Waves in der Tat  eine nähere Betrachtung wert wären: weil sie bestehende musikalische Ordnungen kreativ störten.

Bei der Konferenz NEW ORDER (17.-19.11.2017), der Abschlusstagung meiner langjährigen akademischen Heimstatt beim ERC-Projekt The Principle of Disruption, waren allerdings weniger musikalische Gegenstände zu erwarten, als vielmehr kulturdiagnostisch motivierte Reflexionen:

Angesichts der Persistenz ökonomischer, politischer und ökologischer Krisen wird derzeit der Ruf nach neuen Ordnungen laut, welche die Kontingenz und Dynamik moderner Wirklichkeiten in Stabilität und Überschaubarkeit rücküberführen sollen. Wenn populistische Bewegungen etwa versprechen, die aktuellen Migrationsbewegungen in ›geordnete Bahnen‹ zu lenken, und Politiker wie Donald Trump ihre Erfolge vor allem Ordnungsversprechen zu verdanken scheinen, geben sie vorderhand das Ziel einer sozialen Entstörung aus; zugleich aber stören sie selbst bestehende Organisationsformen, denen sie die Fähigkeit aberkennen, noch länger Ordnung stiften zu können. Parallel hierzu suchen etablierte Ordnungen solche Störmomente präventiv einzuhegen und bewegen sich damit ebenfalls innerhalb der Kippfigur Ordnung/Störung.

RAUSCH(EN): Eine laute Sound-Lecture

Rausch(en)-Soundlecture im Lothringer13

Im Rahmen der Finissage der Ausstellung YOU ARE IN MY WAVE gabs am  28. Mai 2017 im Lothringer13 Rausch(en) auf die Ohren:

Zwischen den  „Animal Crackers“ und „Lovebrain and Diskotäschen“ spreche ich über Posthumane Sinfonien – OHNE NOISE – KEINE ZUKUNFTSMUSIK – und unternehme eine klingende Zeitreise durch die Gründe der Medienmusik : Von Stockhausen und Kraftwerk, Varèse und Zappa über den Techno bis in die Ü-Musik der digitalen Ära.

Finissage YOU ARE IN MY WAVE – Konzerte & Sound Lecture