FUTURE SOUNDSCAPES

Wie klingt die Zukunft? Das Future Soundscapes Festival widmet sich  Geschichte und Gegenwart des Science Fiction Sounds:

Ob das mechanische Quietschen der Gelenke von 
humanoiden Robotern, der bedrohlich-stampfende 
Rhythmus von Maschinenstädten, das digitale 
Prasseln von Bits und Bytes oder die sphärischen 
Klänge der unendlichen Weiten des Universums – 
all diese Geräuschkulissen verbinden wir mit 
utopischen bis dystopischen Bildwelten. 
Wie aber haben sich die akustischen Stereotype 
ausgebildet, und wieso halten wir sie für 
glaubwürdig? Welche Klänge verbinden wir mit 
totalitären Kontrollgesellschaften, mit Atomkrieg 
und Klimakatastrophen? Und welche mit friedvollen 
Vielvölkerstaaten? Wie klingt das Fremde, Unbekannte 
und Bedrohliche? Während die Narrative und Bilder 
des SciFi-Genres bereits allgegenwärtig und mit 
einer Vielzahl von Stereotypen fest im kollektiven 
Gedächtnis verankert sind, erkundet Future Soundscapes 
den Sound als essenzielles Element in der Gestaltung 
zukünftiger Welten: als Geräusch, Klang oder Musik.

Ich habe die Ehre, als Eröffnungsvortrag zu Future Soundscapes 2018 meine Sound-Lecture RAUSCH(EN): Ohne Noise — keine Zukunftsmusik zu halten. Danach stellt Manfred Miersch mit Subharchord und Theremin  zwei Instrumente vor, die die SciFi-Musik maßgeblich geprägt haben. Danach präsentiert Jan Brauer sein DJ Set zu „Das Himmelsschiff“ (1918) — einem der ersten Raumfahrt-Filme…

MAYA – eine »Mixed-Reality-Techno-Oper«

Mathis Nitschke MAYA

München besitzt weder Industrie- noch Subkultur? Falsch!

Im ehemaligen Heizkraftwerk Aubing, der letzten Industrieruine der Stadt, realisiert der  Komponist und Sounddesigner Mathis Nitschke seine ›Mixed-Reality-Techno-Oper‹ MAYA als post-utopische Vision:

»Überreste dreier gigantischer Maschinen weisen auf eine hochentwickelte Zivilisation, die 2050 durch eine globale Katastrophe ausgelöscht wurde. Unsere Vorfahren nutzten sie zum Speichern ihres Bewusstseins, das ihnen nach dem Tod  die Erlösung im digitalen Paradies bescherte: Einem Ort ohne Grenzen, soziale Zwänge oder Krankheiten. Nach der Katastrophe soll eine Auserwählte namens Maya mithilfe ihres rückgeführten Bewusstseins eine neue Menschheit erschaffen.«

In seiner ›Mixed-Reality-Techno-Oper‹ lässt Mathis Nitschke realen und elektronisch erzeugter Klangraum in einen multimedialen Dialog treten: Mittels App können die Zuschauer rätselhafte Spuren einer untergegangenen Zivilisation auf ihren Bildschirmen entdecken, Lichtdesign schafft Skulpturen im Raum, musikalische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft treffen aufeinander.

Mathis Nitschke mit Anna Schürmer beim Künstlergespräch anlässlich seiner ›mixed reality techno oper‹ MAYA
Mathis Nitschke spricht mit Anna Schürmer über seine ›mixed reality techno oper‹ MAYA

Es war mir eine Ehre, am 19. Oktober das Künstlergespräch mit Mathis Nitschke zu führen. Der Dialog drehte sich um die musiktheatrale Umarmung von Realität und Virtualität,  Utopie und Dystopie, Ü-Musik und Posthumanes sowie die transhistorische Verfasstheit von Ruinen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Meine Vorberichte zu MAYA finden sich in der NMZ (9/2017): Musikdramatischer Hörspaziergang mit Smartphone sowie dem Münchner Feuilleton (10/2017): MAYA: Musik aus der Zukunft.

Weitere Informationen: https://mayaoper.de und https://mathis-nitschke.com

 

DIGITALE KATHARSIS

Max Joseph - Opernfestspiele

Sommer ist Festspielzeit in München: Während und nach dem FILMFEST lenkt die Bayerische Staatsoper mit ihren OPERNFESTSPIELEN Ohr und Auge auf das Musiktheater. Neben den klassischen Produktionen im großen Haus, bietet die Festspiel-Werkstatt Raum für zeitgenössische Experimente:

In diesem Jahr legte im Postpalast das Musiktheaterkollektiv AGORA mit [catarsi] den dritten Teil seiner Forschungsreihe PROZESSOR vor. In der Festspielausgabe von MAX JOSEPH, dem Magazin der Bayerischen Staatsoper, ist mein Text »Auf dem Weg in die digitale Katharsis« erschienen, der zeigt, wie die Gruppe das Publikum durch die Mikrostruktur von Beethovens Fidelio hindurch in eine digitale Katharsis schickt, die alt und neu, analog und digital verschwimmen lässt. Im MÜNCHNER MERKUR vom 29. Juni ist außerdem meine Premierenkritik »Beethoven 2.0«, erschienen…

 

Kulturelle Bildung in postfaktischen Zeiten

Das neue Jahrtausend ist schon fast volljährig, die Digitalisierung längst den Kinderschuhen entwachsen und überall von einer Zeitenwende die Rede. Wenn dem aber so ist – in welche Zukunft treten wir ein und was bedeutet das für die Kulturelle Bildung im 21. Jahrhundert?

Unter dem Titel ZUCKERWATTE & SCHWARZBROT  ist im MAX-JOSEPH-Magazin der Bayerischen Staatsoper (3/2017: „Zukunftsmusik„) mein Gespräch mit Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Direktorin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel, und Ursula Gessat, Theaterpädagogin an der Bayerischen Staatsoper, erschienen. Der Text zeigt: Vermittlung betrifft vor allem Themen der Gegenwart.